Dialogische Klassengespräche - Wegbereiter einer diskursfähigen Gesellschaft? : Klassengespräche als Lerngelegenheit - eine Schüler:innenperspektive im Rahmen der Interventionsstudie Socrates 2.0
German
Dialogische Klassengespräche fördern sowohl fachliches als auch überfachliches Lernen. Trotz ihres Potenzials prägen nach wie vor kleinschrittige, monologische Gesprächsformen den Schulalltag. Vor diesem Hintergrund wird in der vorliegenden Dissertation im Rahmen der Interventionsstudie ‚Socrates 2.0‘ untersucht, welchen Beitrag eine einjährige Fortbildung zur Förderung dialogischer Klassengespräche aus Schüler:innenperspektive in den Fächern Geschichte und Mathematik leisten kann. Analysiert werden die Gestaltung von und die Beteiligung an dialogischen Klassengesprächen aus Sicht der Schüler:innen sowie deren Wahrnehmungen der eigenen diskursiven und fachlichen Kompetenzen in solchen Gesprächssituationen. Die Ergebnisse werden im Sinne von Habermas’ Theorie des kommunikativen Handelns in einen gesellschaftstheoretischen Rahmen eingebettet.In Studie 1 wurde mittels Videodaten das Gesprächsverhalten von Schüler:innen vor und nach der Fortbildung analysiert. Ergebnisse zeigten eine erhöhte Beteiligung, längere Sprechanteile und elaboriertere Schüler:innenbeiträge. Beobachtete Unterschiede zwischen den Fächern verweisen auf fachspezifische Gesprächsanforderungen.Studie 2 untersuchte zwei als Good-Practice-Beispiele identifizierte Klassengespräche im Geschichtsunterricht mittels Fallanalysen. Die Schüler:innen agierten dabei als aktive Gesprächspartner:innen, die den Sinnbildungsprozess maßgeblich mitgestalteten. Gleichzeitig zeigten sich neue Spannungsfelder zwischen der Förderung von Schüler:innenbeteiligung und dem fachlichen Gesprächsgehalt sowie neue Hierarchien in den Interaktionsdynamiken.Studie 3 kombinierte eine Prä-Post-Befragung mit Gruppeninterviews zur Erfassung motivationsrelevanter Aspekte. Die Schüler:innenwahrnehmung des unterstützenden Gesprächsverhaltens der Lehrpersonen hinsichtlich der sozialen Eingebundenheit sowie die Selbstwahrnehmung der diskursiven Kompetenz veränderte sich in beiden Fächern positiv. Die qualitativen Daten verdeutlichen Herausforderungen wie das Schaffen eines unterstützenden Klimas und Potenziale wie eine konstruktive Fehlerkultur.Die Ergebnisse der vorliegenden Dissertation leisten einen Beitrag zum Verständnis dialogischer Klassengespräche sowie deren Bedeutung für das Lernen der Schüler:innen.
Faculty
Faculté des lettres et des sciences humaines
Department
Département des sciences de l'éducation et de la formation